Lübecker Nachrichten, Januar 2010

Von Sabine Risch

Lübeck - Fritz Rau war im Travemünder Rosenhof zu Gast. Dort hat der Konzertveranstalter aus seiner 50-jährigen Karriere erzählt.


Ein kleines Problem mit dem Mikro gleich zu Beginn: „Sehen Sie, das ist ein Zeichen – ich gehöre nicht auf, sondern hinter die Bühne“, sagt der knapp 80-Jährige mit dem süddeutschen Akzent im Travemünder Rosenhof. Der alte Mann, der da vorne vor 90 Zuschauern sitzt und sich musikalisch von Jazzer und Journalist Jürgen Schwab begleiten lässt, heißt Fritz Rau und war 50 Jahre lang gemeinsam mit seinem Vorbild Horst Lippmann Deutschlands größter Konzertveranstalter. Mit allen Größen des Jazz wie Ella Fitzgerald oder Duke Ellington, Blues wie Muddy Waters oder John Lee Hooker, des Rock und Pop wie The Doors, Bob Dylan oder Madonna, hat er zusammengearbeitet.

Zu seinem 75. Geburtstag im Jahr 2005 hat Rau seine Autobiografie „50 Jahre Backstage“ herausgegeben. Schließlich gibt es viel zu erzählen. Und er ist ehrlich, als er seiner Hochachtung vor seinem Partner Horst Lippmann Ausdruck verleiht, der dem Dritten Reich die Stirn bot, „während ich ein linientreuer Hitler-Junge war“. Der Jazz, sagt Rau, „hat mich nach dem Krieg an Körper, Geist und Seele entnazifiziert“.

Von der Gründung des Heidelberger Jazzkellers „Cave 54“ über sein erstes, selbst veranstaltetes Konzert mit 1400 Zuhörern bei Albert Mangelsdorff in der Heidelberger Stadthalle bis hin zu den großen Open Airs und der Zusammenarbeit mit den Stars des Rock und Pop ist es noch ein langer, gewundener Weg. Doch je später der Abend, desto mehr nimmt Rau an Fahrt auf.

Richtig bekannt wurden Lippmann und Rau durch die Organisation des American Folk Blues Festivals, das sie 1962 erstmals auf die Beine stellten. „Zum Konzert in Manchester reiste eine Horde junger, wild aussehender Leute an und schaffte es in die Künstlergarderobe.“ Die Luft dort sei immer süßlicher geworden, der Alkohol in Strömen geflossen. Unter den unerwünschten Gästen: ein gewisser Mick Jagger, Keith Richards und Brian Jones. Jagger habe ihm später einmal gesagt, dass er ihn damals für ein „Riesen-Arschloch“ gehalten habe, „doch wir sind 30 Jahre gut miteinander ausgekommen“.

Die Kraft des Blues, sagt Rau, „ist die Grundlage des Rock“. Fast allen Künstlern, mit denen er zusammengearbeitet habe, sei gemein, „dass sie vom Blues kommen“. Wie Jimi Hendrix, der im Zuge seiner Tournee 1969 bei Familie Rau im Wohnzimmer saß. Als Tochter Saskia den Wellensittich freiließ und der sich in Jimis wilder Haarpracht niederließ, soll der nur gesagt haben: „Fritz, lass ihn doch, vielleicht liebt der Vogel auch den Blues.“

Anekdoten kann der Konzertveranstalter viele erzählen, wie die von Bruce Springsteen, der aus Paris kommend und von der „Nouvelle Cuisine“ angewidert, den VW-Bus auf der Fahrt durch Hamburg anhalten ließ, um freudig bei Mc Donald’s einzukehren. Geschichten, mit denen Rau sagen will: „Die Horrormeldungen über die Verschwendungssucht der Stars treffen gerade auf die bedeutendsten nicht zu.“

Der Applaus ist groß, als Rau und Schwab die Vorstellung beenden. „Interessant und humorvoll“ fand Inka Ludwig (83) es. Zwei Rosenhof-Bewohner kennen den Konzertveranstalter persönlich: der einstige Jazz-Bassist Dieter von Götze, den Rau zuvor als „ganz wichtigen Mann für die Frankfurter Szene“ bezeichnet hat. Und Gerhard Schulze, einst tätig bei der „Teldec“, der sich kurz mit Rau über gemeinsame Projekte mit Udo Lindenberg und Peter Maffay austauscht.

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