Markt, Januar 2010
Morgen feiert Irene Denecke ihren 100. Geburtstag
Ahrensburg (ve). Die vergangenen 100 Jahre kennen die meisten nur aus Geschichtsbüchern. Doch Irene Denecke kennt sie aus eigener Anschauung. Die rüstige Seniorin ist am 17. Januar 1910 geboren und feiert morgen ihren 100. Geburtstag. 32 Gäste erwartet sie, neben ihrer 14 Jahre jüngeren Schwester viele Nichten und Neffen und deren Kinder. Sogar Besuch ihrer Verwandtschaft aus Amerika hat sich zu diesem ganz besonderen Geburtstag angekündigt.
Das Leben von Irene Denecke, geborene Petersen, zeichnet wie kaum eines das 20. Jahrhundert nach. Geboren auf dem Lande, "wir hatten kein fließend Wasser und keinen Strom", ist sie in einfachen Verhältnissen aufgewachsen. Jeder in ihrem Heimatdorf Damsdorf kannte jeden, gespielt wurde gemeinsam beim Hüten der Kühe. Läden, eine Gaststätte oder anderes gab es nicht. Schulunterricht wurde an zwei Tagen in der Woche von wechselnden Lehrkräften gegeben, alle Kinder des Dorfes wurden gemeinsam unterrichtet.
Als kleines Kind erlebte sie mit ihrer Mutter und ihren beiden Geschwistern den ersten Weltkrieg. "Ich weiß nicht, wie meine Mutter das mit drei Kindern geschafft hat", sagt sie heute. Ein Kolonialwarengeschäft war schließlich neben der Landwirtschaft , "die habe ich von der Pike auf gelernt", die Basis ihres Lebensunterhaltes.
Später entschloss sich Irene Denecke, einen Beruf zu ergreifen und wurde Erzieherin. Seit Anfang der 30er Jahre bis 1945 hatte sie die Leitung von Internaten an verschiedenen Standorten in Deutschland inne, an die begabte Mädchen weitergeleitet worden sind. "Die Mädchen sollten die Landwirtschaft kennen lernen", erklärt sie. "Die Aufgabe lag mir - und so war ich auch gut darin. Wir sind viel mit den Mädchen gewandert und haben viel gesungen."
1945 kehrte sie zu ihrer Familie auf den Bauernhof in der Lüneburger Heide zurück und führte dort die Land- und Gastwirtschaft. Über Bekannte lernte sie ihren späteren Ehemann, Andreas Denecke, kennen. 1955 heirateten sie, da war Irene Denecke 45 Jahre alt. "Es ist für mich nach wie vor ein ganz besonderes Geschenk, zu erleben, wie sehr ich mit meinem Mann zu einem vertrauten Verhältnis und zu Geborgenheit gefunden habe", sagt sie. "Wir haben jeden Tag mit Freuden auf einander gewartet." Das Ehepaar zog nach Ahrensburg, seitdem wohnt sie in der Schlossstadt. 1977 starb ihr Mann.
Aus ihrem kleinen Einfamilienhaus hat sie dann in Eigenregie mit einem Architekten zusammen ein Mehrfamilienhaus gebaut. Lange hat sie dort noch gewohnt, bis sie 1992 in den Rosenhof zog. Ein Sturz in ihrer Kindheit führte dazu, dass im Alter ihre Hüfte erkrankte, vor zwei Jahren kam eine weitere Erkrankung dazu. Doch das ist der munteren und lebensfrohen Dame nicht anzumerken, auch nicht, dass sie nur noch schlecht sehen kann. Wenn sie Schmerzen hat, greift sie nicht zu Medikamenten, sondern wendet sich mit Hilfe von Atemübungen ab.
Ein bisschen bedauert Irene Denecke, dass sie durch ihre erkrankte Hüfte nicht mehr so beweglich ist und bedingt durch den Rollstuhl schwerer Kontakt zu ihren Mitbewohnern findet. Doch sie wäre nicht Irene Denecke, wenn sie nicht eine Lösung finden würde: "Ich habe mir angewöhnt, den Leuten direkt ins Gesicht zu sehen - schon reden sie auch wieder mit mir." Und wenn sie einen in ihrem elektronischen Rollstuhl ganz selbstständig beim Gang durch die Flure des Hauses begleitet, ist von Bedauern nicht viel zu spüren, sondern einfach nur von Lebensfreude.
