Schreiben von Fr. Schilling
an den Rosenhof Berlin-Zehlendorf, März 2008
Beizeiten ins Seniorenheim
Dieses soll ein gut gemeinter Ratschlag sein, denn wenn wir ehrlich sind, schieben wir diesen Gedanken gerne weit von uns, bilden uns ein, in welchem Alter auch immer, dafür noch viel zu jung zu sein, und wollen unser schönes Zuhause, wie die vertraute Umgebung, noch lange nicht aufgeben! So ging es auch mir, doch dann verstarb mein lieber Mann und ich saß drei Jahre lang in dem viel zu großen Haus plus Garten mit der entsprechenden Arbeit.
Meine Tochter, die in Berlin tätig ist, las von der baldigen Eröffnung des Rosenhofes 2007 in Zehlendorf und sandte mir die entsprechenden Prospekte. Was der Rosenhof anbot, klang überzeugend und neugierig geworden, fuhr ich im Frühjahr nach Berlin.
Die Riesenanlage befand sich noch im Rohbau, sodass man seine künftige Wohnung nur nach Plan aussuchen konnte, wobei ich etwas leichtsinnig vorging und mich für eine der schönsten und somit natürlich auch teuersten interessierte in der Überzeugung gewiss nicht 90-jährig zu werden, denn dann müsste ich mich irgendwann innerhalb des Hauses verkleinern.
Gedacht - getan, ich unterschrieb den Mietvertrag, fuhr zurück, verkaufte Haus und Hof sowie Auto, ließ von einer Bücherbörse 600 Exemplare abholen, wie vom Roten Kreuz die komplette Einrichtung dreier Zimmer, bestellte eine Umzugsfirma und nun "ade, du mein lieb Schweizerland", wo ich als Mecklenburgerin nach der Pensionierung meines Mannes mit ihm 25 Jahre gelebt habe. Obwohl ich mir 14 Tage vor dem Auszug den rechten Arm brach, ging alles planmäßig vonstatten, mein Nachfolger bezog schon das Haus, als ich noch auf das Taxi zum Bahnhof wartete. Für Abschiedsschmerz blieb also gar keine Zeit und warum eigentlich nicht, aus dem gewohnten Trott noch einmal zu neuen Ufern?
Inzwischen bin ich hier heimisch geworden und habe einige, sehr nette Frauen kennen gelernt, und im Übrigen bietet der Rosenhof ein abwechslungsreiches Unterhaltungsprogramm an, wer sich trotzdem langweilt hat selbst Schuld. Aus eigener Erfahrung kann ich allen nur raten, entscheiden sie sich für diesen Wechsel beizeiten; solange sie sich ihre neue Bleibe noch selbst aussuchen können und den Umzug bewältigen, ansonsten werden sie wohlmöglich ungefragt irgendwohin gebracht, wo sie sich dann wirklich nicht wohlfühlen können.
Und was z.B. ist, wenn sie daheim fallen und nicht mehr aufstehen können? Meinem Mann ist das mehrmals passiert, aber ihm konnte ich helfen, und hier gibt es in jeder Wohnung zwei Notrufknöpfe. Außerdem müssen sie in einem Heim ungebetenen Gästen nicht die Tür öffnen und sich unnötig in Gefahr bringen.
Ich hätte mit 75 Jahren mit dem Einzug hier vielleicht noch fünf Jahre warten könne, aber ab 80 sollte man sich den Alltag erleichtern und diesen Schritt wagen. Stellen Sie sich vor, nicht mehr die Lebensmittel heran schleppen zu müssen, sich nicht mehr zu fragen, "was koche ich heute?" So entfällt auch der lästige Abwasch, Fenster und Wohnung werden geputzt und liebenswürdige Hausdamen stehen ihnen bei allen Fragen mit Rat und Tat zur Seite, was will ich noch mehr?
Wie gut doch, dass es diese Einrichtungen gibt, es ist wirklich bedauerlich, dass man bis jetzt in erster Linie über negative Erfahrungen aus den Heimen berichtet hat, das sind auf jeden Fall die Ausnahmen!
Ich wünsche Ihnen allen Mut zu dieser letzten Veränderung, die sie sicher nicht bereuen werden, sowie erfreuliche Jahre unter Gleichgesinnten im Seniorenwohnheim!
